Freitag, 16. Dezember 2016

Dakar, Senegal, Westafrika

Dakar
Heute, am 05.12.16 haben wir in Dakar einklariert. Wir sind somit an dem westlichstem Punkt Afrikas, im Atlantischen Ozean angelangt. Dakar wurde 1857 von den Franzosen gegründet und war ab 1885 die Hauptstadt von Westafrika. 
rein ins Wasser-Taxi
und ab in Richtung CVD
der etwas "windschiefe" Bootssteg zum CVD
Wir sind mit dem Wassertaxi vom CVD Club (ein alter aber stabiler Angel-Kahn) zum Anleger gefahren und haben uns dann ein Taxi (was für eine Klapperkiste) zur fahrt in die Stadt genommen. In ihm erlebten wir die erste Überraschunghier gelten ganz andere Straßenverkehrsregeln als in Europa. Wer frecher ist, darf als erster fahren, rote Ampel, wem interessierst. Was man vorhat wird mit der heraushängenden Hand signalisiert. Parken darf man überall. Alles was noch Räder hat, darf fahren. Es wurden vielerorts zwar Gehsteige vorgesehen, sie wurden aber zu Parkplätzen umfunktioniert. Den Fußgängern bleibt nichts anderes übrig, als auf den Straßen zwischen den fahrenden Autos zu manövrieren. 
die Hand muss draußen sein
Autos, Müll und Bretterbuden
und mitten im Chaos immer wieder Pferdekarren
Zuerst sind wir zu einem Bankautomaten, um uns mit dem nötigen Geld zu versorgen (hier wird man als Europäer schnell zum Millionär – Umrechnungssatz 1 zu 655) Danach mussten wir vorstellig werden bei der ‚Police special‘ (Mole 8) und einer weiteren Stelle, dem Zoll (Mole 10). Alles ging problemlos, wobei wir bei beiden Stellen keine (!) ‚Gastgeschenke‘ über die Theke geschoben haben. Im Gegenteil, ein junger Wachmann, der uns in den Coppy-Shop begleitete, konnte uns kein Wechselgeld herausgeben und hat die umgerechnet 45 Cent selber bezahlt. Man muss aber sagen, das ist uns kein zweites mal passiert. Es ist eine andere Welt, in die wir da eintauchen. Und wenn wir dachten auf den Kap Verden wurden wir auf das was da kommt gut vorbereitet, dann wurden wir ganz schnell eines besseren belehrt. Die sozialen und hygienischen Zustände sind eine Katastrophe. 

jeder Zentimeter am Straßenrand ist belegt
ärmlich aber immer gute laune
hier wird aus Schrott noch etwas gefertigt
es stinkt, die Abwässer gehen ungeklärt in die Bucht
Des weiteren gelten hier eigene Gesetze und man sollte tunlichst gepflegt, sprich rasiert (oder gepflegter Bart), in sauberen Klamotten, als Mann in langen Hosen und als Frau tut man sich leichter, im langen Rock vorzusprechen - der Islam hat uns in seinen Klauen! Nun ja, wir wollen ja nicht für immer hier bleiben und so fügen wir uns, bietet Dakar doch so viel Interessantes. Anfangs sind wir, auch lange Strecken, zu Fuß gegangen aber mittlerweile nehmen wir vorzugsweise ein Taxi (was ja wie oben beschrieben genug Abenteuer ist). Fotos zu machen ist oft schwer, da die Menschen das entweder nicht mögen, oder sofort Geld dafür fordern. Das ist halt Dakar, eine ca. 3 Mio. Metropole, jeder will etwas von dir, bietet dir etwas an, spricht dich an und du bist nie alleine…ständig wird man bedrängt, es ist anders, halt afrikanisch. Wir tauchen ein und versuchen uns anzupassen, was alleine schon durch die Hautfarbe eine echte Herausforderung ist. Nach einem Tag Dakar-Besichtigung müssen wir uns einen Tag ausruhen und uns ein wenig sortieren. Die vielen neuen Eindrücke, denen man hier erliegt müssen auch erst mal verarbeitet werden. Als nächstes haben wir den CVD, den franz. Yachtclub erkundet, der für hiesige Verhältnisse schon recht gepflegt und ordentlich ist, man darf halt nur nicht den europäischen Maßstäben erliegen. 

der CVD eine Müll-freie Zone
erst habe ich das blaue Hemd gekauft
dann sollte ich das weiße auch noch nehmen
Aber das wollen wir ja auch nicht, wir sind hier um zu beobachten, andere Länder, andere Rhythmen, die Stimmen die Tagsüber und Nachts zum Gebet rufen, die anderen Gerüche, die für uns z.T. sehr streng sind und das feilschen um alles. Da muss die in sich versteckte Krämer-Seele hervorgeholt werden und es wird mit Händen, Füßen und ein Blatt Papier mit Stift vom Taxipreis bis zum Kilopreis für Avocados oder sonst was, erst mal verhandelt. In der Regel darf man für Alles nur die Hälfte des angebotenen Preises zahlen und so ist es dann auch…das Palavern gehört dazu, man ist sich einig und wir zahlen nur die Hälfte (höchstens), es grinsen einen pechschwarze Gesichter mit ein paar weißen Stumpen von Zähnen an - man ist zufrieden. Am Ende einer Taxifahrt wird zwar noch mal nach gezockt, aber auch das gehört dazu, wieder wird verhandelt und oftmals zücken wir Bonbons oder andere kleine Geschenke und man ist wieder zufrieden und bedankt sich. Auch wenn es irre anstrengend ist und wir sicher immer noch einiges mehr zahlen als die Einheimischen, wir haben es ja so gewollt. 

der Fischmarkt mit einer gigantischen Auswahl
der Pelikan wartet auf sein Anteil
und vertreibt sich die Zeit mit Spielchen
die Afrikanischen Langboote sind
beeindruckend und bunt
endlich jemand der ein Foto zulässt
Eigentlich wollten wir noch auf die I‘lle de Goree (an der wir vorbei gesegelt sind). Es mag merkwürdig klingen aber irgendwie ist uns die Zeit davon geeilt und wir haben es nicht geschafft. Aber die Geschichte dazu ist schon Interessant. Die Insel befindet sich 3km östlich von Dakar und besaß in der Vergangenheit nicht nur eine strategisch wichtige Position, weil sich von hier aus die gesamte Dakarer Bucht kontrollieren ließ, nein sie hat auch einen traurigen und tragischen, historisch wichtigen Platz in der afrikanischen Geschichte. Diente sie doch lange Zeit als Umschlagplatz und ‚Handelszentrum‘ für den Sklavenhandel aus Afrika. Von der UNESCO 1978 zum Weltkulturerbe erhoben, konnten hier Plätze, Häuser und Stimmungen bewahrt werden, die dazu dienen, diesen Teil der afrikanischen Geschichte, niemals zu vergessen. Natürlich gäbe es nun wahrlich sehr, sehr viel zu erzählen, aber das würde den Rahmen dieser Webseite sprengen, so begnüge ich mich mit ein paar Randinformationen: Die Insel, wurde 1444 von den Portugiesen entdeckt und ‚weitergereicht‘. Kamen 1627 die Niederländer und gaben ihr den heutigen Namen Goe-ree (gute Reede) so wurde sie ein halbes Jhdt. später, von den Franzosen besetzt. Diese blieben bis zur Unabhängigkeit des Senegals vor Ort, mit Ausnahme von 30 Jahren britischer Besetzung, die sich nicht am Stück, sondern zerklüftet aufteilen: 1693, 1758-1763, 1779-1783, 1800-1817. Und jedes ‚Besetzterland‘ partizipierte natürlich von den Sklaven, die hier gemästet und gewogen wurden und nur mit mehr als 60 kg ‚verschickt‘ wurden, da sie sonst die Strapazen der Reise (erfahrungsgemäß) nicht überstanden hätten. Von ca. 20Mio. verschickten Sklaven, kamen nur ca. 15Mio. an. Es gibt keine genauen Zahlen. Es gab unter anderem einen ‚Begattungsraum‘ von 5x10m, in den denen Frauen und Männer gesperrt wurden und nach 2 Wochen wurden sie wieder getrennt. Die Frauen schwanger und die Männer bekamen neue Frauen zum begatten. Sogenannte Pferdesklaven - starke, junge, muskulöse Männer. Es gab extra Zellen für all die anderen Frauen und Männer, Kinder wurden von den Eltern getrennt und Jungfrauen wurden extra gehalten. Die Jungfrauen waren etwas ganz besonderes, weil sie ‚ausgewählt‘ wurden. Während des 17. Und 18 Jhdt. durften Handelsangestellte, Beamte und Militärs ihre Ehepartner nicht mit in den Senegal bringen. Die sogenannten ‚Signares‘ zeichneten sich durch große Treue aus und dadurch das sie ihre Männer sehr umgarnten, diese Beziehungen wurden gefestigt durch die Heirat nach Art des Landes und entstand aus diesen Beziehungen auf Zeit ein Kind, so erhielten sie das Recht, dem Kind den Namen des Vaters zu geben. So entstand, über viele, viele Jahre eine Mulatten-Gesellschaft, die sich auch, so traurig das klingen mag, aktiv am Handel mit den Sklaven beteiligte. Privilegiert durch ihre Kakaofarbene Haut, also mehr Wert als der ‚gemeine‘ Schwarzafrikaner, aber natürlich niemals zum Weißen erhoben… Das sollte reichen unserer vorab erlesenes Wissen an den Mann (Frau) zu bringen. 

das Sklavendenkmal
historische Gebäude




Insel Goree von oben
Wasser und Strom (Diesel), sind die elementaren Probleme der Segler. Deshalb haben wir Mustafa beauftragt 200 Liter Wasser und 140 Liter Diesel zu besorgen, was auch prima geklappt hat und wir sind, dies bezüglich, 

gemeinsam bekommen wir die Tanks voll
und Inge sorgt dafür das sie wieder leer sind

gut gerüstet für die geplante Überfahrt in Richtung Sine-Saloum-Delta. Aber dafür zeigen sich andere Probleme, ursprünglich wollten wir nach einem Monat Senegal (das ist die Aufenthaltszeit die wir automatisch für Hembadoo vom Zoll zugebilligt bekommen haben) weiter nach Gambia segeln. Aber mit Gambia ist es im Moment etwas kritisch. In Banjul, der Hauptstadt, werden zur Zeit Barrikaden errichtet, weil der Wahlverlierer (ein Diktator) das Wahlergebnis (vom 1.12.2016) nicht anerkennen will und er deshalb den Aufstand probt. Für uns bedeutet das, eine Verlängerung der Zollgenehmigung muss beantragt werden. Mit dieser Bürokratie (und alles in französisch) sind wir etwas überfordert. Der Leiter des CVD bietet uns an, den Antrag für uns zu zu Stellen. Da das aber erst eine Woche vor Ablauf der Zeit geht, will er uns die Genehmigung per E-Mail zusenden. Wir händigen ihm die Gebühr von 150000 CFA (235 Euro – das ist hier ein Vermögen) vorab aus und hoffen, das alles sein Gang geht. Morgen, am 17.12.2016, verlassen wir, bei hoffentlich gleichmäßigen, achterlichen Winden, um 8.00 Uhr den CVD-Segelclub in Dakar. Es war eine spannende, aufregende, aber auch fremde und sehr eigene Zeit. Zwischen staunen, Menschenmassen und historischen Erkenntnissen ist der Dreck allgegenwärtig. Die Afrikaner haben nun mal ein anderes Verhältnis zu Müll und allem was dazu gehört und man muss tunlichst an sich arbeiten und das Geruchsempfinden blockieren! 
selbst die kleinste Oase ist vermüllt
ein schöner Strand aber auch extrem vermüllt
ohne Worte


alles anschauen und gute Laune haben


Trotz ganz unterschiedlicher Gefühle sind wir froh, dass wir hier waren und uns diese Verhältnisse angeschaut haben. Aber jetzt freuen wir uns auf die ursprüngliche Natur von Westafrika.
Sollten wir in den nächsten Tagen kein Internet haben dann wünschen wir all unseren Lesern frohe Weihnachtsfeiertage und einen guten Rutsch ins neue Jahr.

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