Freitag, 16. Februar 2018

Feuerland - Chile

Jetzt beginnt unsere unsere abenteuerliche Reise über den Beagle Kanal (benannt nach dem Schooner "BEAGLE", auf dem Charles Darwin diese Gewässer besegelt hat) zu den Gletschern und Fjorden der Darwin Kordillere, um in dieser verrückten geographischen Gegend zu verweilen, die durch die Zeiten und Naturgewalten "an den Grenzen der Erde" entstanden ist.
im Hintergrund das Panorama der Darwin-Kordillere
Feuerland – ein geheimnisvoller Archipel aus Tausenden von Inseln, ein eisiges Labyrinth „sturmdurchtoster Fjorde und Kanäle“ am südlichen Ende der Welt. Ein Bergland, versunken im Meer. So oder ähnlich hatten wir es in unzähligen Büchern gelesen. Der Name Feuerland soll auf Fernando Magellan zurückgehen. Als der portugiesische Weltumsegler nach Monaten vergeblichen Suchens im November 1520 endlich die nach ihm benannte Meeresstraße, die den Atlantik mit dem Pazifik verbindet, gefunden hatte, erblickte man am Ufer in der Nacht viele Feuer. Dies veranlasste den Generalkapitän, dem Lande den Namen „Tierra de los Fuegos“, Land der Feuer, zu geben. Die Indianer benutzten die Feuerstellen als lebensnotwendige Wärmequelle und für die Herstellung ihrer Nahrung, vor allem Muscheln. Die Yagans waren die letzten Vertreter einer der primitivsten Bevölkerungsgruppen der Erde.
Die Yagan Kanu-Indianer (Feuerländer) ruderten in ihren einfachen Kanus aus Buchenrinde weit hinaus bis hin zu den tückischen Inseln des Kap Hoorn. Diese Nomaden der See lebten in diesem Gebiet ca. 5000 Jahre lang. Ihre Muschelberge kann man vereinzelt noch an den Stränden entdecken, einige bis zu 4 Metern hoch. Sie besaßen keinen Schutz vor der antarktischen Kälte, außer dem Robben-Fett, mit dem sie sich die Haut einfetteten und der Felle, die sie sich lose um die Schultern hängten. Sie liefen auf bloßen Füßen im Schnee und wärmten dann ihre Füße im eiskalten Wasser des Atlantiks. Man sagt, ihre Körpertemperatur habe 1 oder 2 Grad über der, der des "weißen Mannes" gelegen. Die Frauen waren es, die ohne Bekleidung nach Nahrung tauchten, die sich um die Kanus und den Fischfang kümmerten. Die Männer der Yagans verbrachten den größten Teil ihrer Zeit mit der Jagd. Ich habe diese Beschreibung vorangestellt um deutlich zu machen was wir eigentlich, wie sich später zeigen wird, für „Weicheier“ sind. Am 22.01.18 gegen Mittag befreien wir uns aus dem Päckchen und Motor-segeln, den gleichen Kurs wie nach Ushuaia, weiter in Richtung Westen entlang dem Beagle Kanal. Entlang unserer Route können wir zunehmend erkennen, wie jeder einzelne Baum, jedes Gehölz ostwärts gewunden ist. Dies sind die anschaulichen Hinweise darauf, dass sie öfters von den heftigen Westwind Tierra del Fuegos heimgesucht werden. Anfangs war es gemütlich ruhig doch dann frischte der Wind gewaltig auf 40 bis 45 Knoten, von vorn. Die Wellen wurden immer höher. Obwohl wir ordentlich Gas gaben wurden wir immer langsamer. Nur mit Motor mussten wir gegen die Wellen kreuzen. Mittlerweile war uns klar das wir unser eigentliches Ziel nicht mehr schaffen. Deshalb beschlossen wir die Nacht in der Caleta Santa Rosa zu verbringen. Es ist keine spektakuläre aber eine sichere Bucht. Wir können frei am Anker liegen und brauchen noch keine Landleinen. Am nächsten Tag geht es nach einem ordentlichen Frühstück mit einem kräftigen Schluck Kaffee weiter in Richtung Westen (Pazifik). Wir haben vorsorglich drei Monate bis Puerto Montt beziehungsweise Valdivia vorgesehen um den Druck zu vermeiden bei chaotischen Zuständen aus die sichere Bucht heraus zu müssen. Unser heutiges Ziel war Puerto Borracho. Das war nicht allzu weit und wir waren schnell da. Das war auch gut so, denn am Nachmittag legte der Wind wider ordentlich zu und es regnete immer wieder. Die Temperatur geht nicht über 8°C. Jetzt bekamen wir den ersten Vorgeschmack von dem Wetter in den Kanälen. Es war auch unsere erste etwas engere Ankerbucht wo wir zügig Landleinen ausbringen mussten, denn Rechts und Links war reichlich Kelb. Wenn jemand eine Anleitung benötigt wie man die eigene Schwimmleine (die ja, wie der Name vermuten lässt, auf der Wasseroberfläche schwimmt) sich in den Propeller des Schiffes (der sich ja in 1 Meter Tiefe befindet) wickelt, den kann ich helfen.
1. Mann ist im Umgang mit Anker und Landleine noch nicht richtig Fit.
2. alle Landleinen sind befestigt doch man stellt fest das das Boot zu dicht am Ufer liegt.
3. Die Landleinen sind ja 100 m lang – also Anker raus, ein Stück vorwärts fahren und Anker wider    rein. (die Landleinen haben sich von allein von der Spule gewickelt)
4. Das Schlauchboot muss am Heck angebunden sein
5. Jetzt fährt man rückwärts um den Anker einzufahren (die Schwimmleinen werden nicht beachtet – sie schwimmen, ja)
6. Beim rückwärts fahren schwimmt das Schlauchboot nach vorne und der Schaft vom Außenbordmotor greift sich eine Schwimmleine und zieht sie seitlich unter das Boot.
7. Der Sog des rückwärts drehenden Propeller sorgt für den Erfolg des Unternehmens – die Leine hat sich so fest um die Welle gewickelt das in der wunderschönen Bucht baden angesagt ist.
8. Sollte man vor lauter Ärger etwas heiß gelaufen sein, kein Problem bei 3 bis 4 Grad Wassertemperatur kühlt sich das Gemüt ganz schnell wider ab.
Es passieren Dinge das würde man vorher niemals Glauben. Aber Gott sei Dank war das unser erstes und letztes Vorkommnis mit den Landleinen. Nach ein paar Buchten, hatten wir den Dreh raus und es ging Ruck-zuck. Ordentlich Zeit muss man beim lichten des Ankers einplanen denn es hängen Unmengen an Kelp drann. Wir hatten uns schon in Piriapolis eine Sichel besorgt und befestigten diese an ein langen Bootshaken. Diese Investition hat sich wirklich gelohnt. Kelp hat auch seine guten Seiten, er ist wichtiger Hinweis auf Untiefen und es ist ein sehr hochwertiges Gemüse. Die Ausflüge in die Wildnis und das Lagerfeuer haben uns so gut gefallen das wir ein paar Tage länger geblieben sind.

wäre die Leine nicht im Propeller
dann wäre das ein super Auftakt


ein Lagerfeuer

ist immer romantisch

Natur pur

ohne Worte

ohne Worte

den Baum hat der Blitz gespalten
 
























Doch dann ist es soweit, wir verlassen sehr früh den Ankerplatz, um entlang des Süd-Ost-Kanals in die Caleta del Bosque zu fahren, hier bleiben wir nur eine Nacht. Am nächsten Tag geht es zu unserem ersten großen Ziel der Caleta Coloane. Natürlich haben wir wider den ganzen Tag gefroren, eisiger Wind, Regen und Hagel begleiteten uns die gesamte Zeit. Das große Problem ist das man das Cockpit wegen der Windböen und den Strömungen nicht verlassen kann, der Autopilot reagiert dann zu langsam und man muss von Hand eingreifen. Als wir in die weiträumige Bucht ein liefen lernten wir gleich mal die Willi - Wayws kennen, das sind knallharte Fallböen die von den Berggipfeln herunterstürzen. Vor unseren Bug tanzten kleine Wasserhosen und es war extrem Ungemütlich. Wir verkrochen uns in den letzten Winkel der Bucht hinter einer kleinen Insel. Rund um uns tobt ein kräftiges Unwetter. Wir liegen mit vier Landleinen in einer Art Kessel, von allen Seiten durch steile hoch ragende Felswände geschützt. Nur die von oben kommenden kurzen Fallböen bringen Hembadoo ab und zu zum schaukeln. Und jedes Mal kommt die Böe von einer anderen Seite. Rund um uns sind Berggipfel mit Gletschern bedeckt. Unzählige Wasserfälle mit Schmelz- und Regenwasser schießen an den steilen Klippen in die Caleta Coloane herunter. Trotz des schlechten Wetters entscheiden wir uns am nächsten Tag für einen kurzen Wanderausflug. Die Aussicht auf einen Gletscher zu steigen ist stärker als der Wunsch warm und trocken zu bleiben. In einer Pause zwischen zwei Regen Squalls steigen wir ins Schlauchboot und fahren immer dicht unter Land an den Wasserfällen vorbei in Richtung Gletscher. Dieses Mal gibt es keinen richtigen Strand, da das ganze Ufer richtig steil hochgeht. Dann die Enttäuschung, wir sind bei Niedrigwasser gefahren und vor den Felsen war es durch die ausgespülten Sedimente extrem flach (fürs Schlauchboot zu flach und für unsere Gummistiefel zu tief). Mit Blick auf ein atemberaubendes Panorama, peitschenden Graupel Böen und im Kreis drehenden Winden fahren wir zurück zu Hembadoo. Hier gab es nur eins schnell raus aus den nassen Klamotten und sofort eine Tasse heißen Tee kochen und trinken.

am Ankerplatz angekommen
Wasserfälle ohne Ende


noch schnell die Landleinen befestigen

unterwegs zum Gletscher
immer dicht an Land








An einem verregneten windreichen Tag verlassen wir die Caleta Coloane und fahren noch ein Stück westwärts. Jetzt ist auch der Schwell des Pazifik zu spüren denn hier beginnt die große Bahia Cook. Aber wir fahren nicht auf den Pazifik hinaus sondern wir biegen ab in den schmalen und gut geschützten Canal Barro Merino, der die zwei Arme des Beagle Kanals – Brazo Sudoeste und Brazo Nordoeste – miteinander verbindet. Hier ist es relativ windgeschützt und schön ruhig. Alle paar Stunden öffnet sich sogar eine blaue Lücke. Die Sonne bricht durch die dichte Wolkendecke und lässt das blau der Gletscher und das grün der Wälder in voller Pracht erscheinen. Nach ein paar Sekunden ist sie wieder weg. Es regnet wieder. Unser Boot ist nass. Die Luftfeuchtigkeit übersteigt ständig die 80 Prozent. Alles ist im Boot ist nass. An den Wänden in den Schränken bilden sich Unmengen an Kondenswasser. In diesen etwas ruhigeren Minuten reift unserer Entschluss umzukehren. Denn allein der Gedanke das es noch zwei Monate so weiter geht, lässt uns erschaudern. Für uns stellte sich nur die Frage fahren wir in den Nordost-Kanal oder fahren wir nach Punta Arenas und durch die Magallan Straße in den Atlantik. Wir haben uns für den attraktiveren Nordost-Kanal entscheiden. Des weiteren haben wir uns jeden Tag pflichtbewusst per E-Mail über Satellit bei der Armada gemeldet. Schließlich liegt es in erster Linie in unserem Interesse, dass sie unser Aufenthaltsort kennen. Das schlechte Wetter und die mächtigen Berge machen das versenden nicht unbedingt leicht und es erfordert mehrere Anläufe bis die E-Mail weg ist. Unser nächstes Ziel war der Seno Pia im Nordost-Kanal, ein weit verzweigter Fjord artiger Einschnitt in die Berge, an dessen Ende gleich mehrere Gletscher bis zum Wasser reichen. Die Einfahrt in den Fjord war nicht ganz einfach, weil unsere elektronische Karte mal wieder verschoben war. Die Zeichnung in unserem Pilot Handbuch war dafür eindeutig und wir konnten uns an den herausragenden bizarren Felsbrocken gut orientieren. Bis zum ersten Gletscher waren es von hier noch vier Meilen (es war der kurze Ost-Arm des Fjordes, den wir wählten). Die mächtigen Gletscher transportieren eine Menge Eis ins Wasser, das in kleineren und größeren Brocken im Wasser schwimmt. Mit unserem Schiff fuhren wir direkt heran an die Gletscherwand. Ganz wohl war mir nicht dabei, weil die Gletscher sich ja ständig in Bewegung befinden und sporadisches Krachen und Donnern zu hören war. Aus der Ferne erscheint der Gletscher schmutzig grau. Kommt man näher, entdeckt man seine klare Struktur aus grauweißen sich abwechselnden Streifen. Von allen Gletschern, die wir bis jetzt gesehen haben, ist das hier der mächtigste. In seiner Nähe fühlt man sich ziemlich klein und machtlos. Das Eis ist stark zerklüftet. Wie riesige Kristalle ragen meterhohe Eisblöcke gegen den Himmel. Wir müssen auf jeden Fall vorsichtig sein denn die Eisbrocken sind unter Wasser viel größer und scharfkantig. Sie können große hässliche Kratzer im GFK-Rumpf hinterlassen. Auch mit dem Dingi sollte man Vorsicht walten lassen, denn die großen Eisbrocken, die von den Gletschern abbrechen, verursachen gefährliche Flutwellen.

die Einfahrt in den Seno Pia
nur nicht wie bei der Titanic


man muß ordentlich aufpassen

die Eiswand ist beeindruckend

überall schwimmen Eisbrocken
Wir ankern in der hintersten Ecke des Ost-Armes, in der Caleta Beaulieu. Die ganze Landschaft wirkt so ursprünglich und unberührt, wie man es sich von außen nur schwer vorstellen kann. Es gibt keine Menschenspuren, keine Straßen, keine Wege und kein Natur fremdes Geräusch. Am nächsten Tag erkunden wir die Landschaft. Ich kraxelte (kletterte) trotz extremer Nässe den Berg hoch (Ingrid verzichtete auf diese ziemlich anstrengende Aktion) die Belohnung war ein atemberaubender Ausblick. Ziemlich müde, die Beine halten uns kaum, voll beladen mit diesen einzigartigen Eindrücken fahren wir zurück zum Schiff.

das übliche Prozedere

Landleinen ausbringen

endlich mal 1000 Jahre altes Eis kosten

das Lagerfeuer darf nicht fehlen


der Weg nach oben

ist kein leichter
aber die Aussicht
ist um werfend

es ist Zeit weiterzuziehen
Nach ein paar Tagen sind wir mit abflauendem Wind dann weiter den Brazo Noroeste in Richtung Caleta Olla entlang gefahren. Dort reiht sich ein Gletscher an den anderen, eine spektakuläre Fahrt. Eine kleine Delfinschule begleitete uns, die schienen sich in der Kälte besonders wohl zu fühlen. Nach unserer Feststellung das wir die Nase voll, von diesem Klima haben, den starken Winden die ja immer aus der falschen Richtung blasen und den viele Regen, wollen wir so schnell wie möglich zurück nach Puerto Williams.

tosende Wasserfälle

direkt aus dem Gletscher
 

 
und viele weitere Gletscher

säumen unseren Weg
 














Aber dann wurden die Ereignisse noch einmal Dramatisch. Als wir vom Nordost-Kanal in den Beagle Kanal einbogen nahm der Wind dramatisch zu. Unsere Windanzeige stand auf 65 Knoten und die Windrichtung war zu allen Übel Nordwest. Wir hatten Wind und Welle genau von der Seite. Das felsige Ufer war nicht weit weg, wir fingen trotz Kälte an zu schwitzen. Bei den Sturm kann man auch nicht in jede Ankerbucht fahren, man braucht viel Platz um einbiegen zu können. Wir fuhren erst einmal den Wind und den Wellen schräg entgegen in Richtung argentinischer Küste. Es war der absolute Horror die Wellenkämme wurden weggerissen und die Luft schien nur noch aus Wasser zu bestehen. Als wir weit genug auf der anderen Seite des Beagle Kanals waren wendeten wir und rasten der der Caleta Letier entgegen. Wir haben uns für diese Bucht entschieden weil wir hoffentlich genügend Platz zum einbiegen haben. Es war der absolute Wahnsinn es war extrem schwierig das Boot auf Kurs zu halten und wir fuhren mit 9 bis 10 Knoten in die Bucht hinein, wo es dann schlagartig ruhiger wurde. Nachdem der Anker gefallen war und wir die Landleinen ausbringen wollten stellten wir fest das eine weg war. Es war nur noch die leere Spule vorhanden. 100 Meter nagelneue Schwimmleine einfach weg. Bei den chaotischen Zuständen hat sich offensichtlich der Knoten der Halteleine gelöst. Aber das war nicht alles, das weitaus größere Problem war Ingrid. Sie viel einfach um, sie konnte nicht mehr laufen und auch nicht mehr den Kopf gerade halten alles drehte sich. Ich ließ mir nichts anmerken aber innerlich kam doch eine gewisse Panik auf. Die Frage war - was tun? Nach dem durchforsten unserer medizinischen Literatur kamen wir zum Schluss, das es kein Schlaganfall oder etwas ähnlich gravierendes sei, sondern nach den Symptomen zu urteilen etwas mit dem Innenohr zu tun hat. Wir sind ein paar Tage geblieben und Ingrid wurde strenge Bettruhe verordnet. Als es ein bisschen besser wurde sind wir nach Puerto Williams aufgebrochen. Wir wussten das es eine neue Klinik gibt und hofften das man uns dort helfen könne. Aber es kam ganz anders. Als ich an Land zum einkaufen fuhr, traf ich auf Michael von der SY Vera und ich berichtete Ihn von unserem Problem. Wie aus der Pistole geschossen kam der Spruch „Kenn ich, hatte ich auch schon“ ich war einigermaßen verblüfft. Er erklärte mir, das es sich höchstwahrscheinlich um ein Lagerungsschwindel handelt. Im Internet haben wir dann eine Anleitung gefunden wie man die herausgelösten Kristalle zurück befördert. Es hat tatsächlich geholfen.
die letzten Vorbereitungen
zum Beispiel Diesel holen mit Begleitung
 








Jetzt warten wir auf ein Wetterfenster um durch die Le Maire Straße vorbei an den Falkland Inseln und dann direkt nach Brasilien zu kommen.

Montag, 22. Januar 2018

Puerto Williams - Chile

Bevor wir in die Wildnis abtauchen ist es uns nun doch noch möglich ein kleinen Bericht mit Bildern zu erstellen. Das Ausklarieren in Ushuaia war dank Roxanna (sie ließ sich nicht abbringen uns zu Begleiten und zu Unterstützen) sehr entspannt. Auf dem Rückweg von Präfektura und Zoll gönnten wir uns zur Feier des Tages einen kurzen Aufenthalt in einem Café.
Lecker, Lecker
Danach liefen wir zügig zum Boot denn jetzt wollten wir auch los. Die Überfahrt nach Puerto Williams ging recht zügig denn wir hatten bis zu bis zu 40 Knoten Wind, aber von hinten.

Land in Sicht
Puerto Williams in Sicht

Yachtclub Micalvi in Sicht
Jetzt liegen wir in Puerto Williams am Beagle Kanal, ein Dorf mit Blick auf die schneebedeckten Berge. Hier haben wir nun eher das Gefühl am Ende der Welt angekommen zu sein. Der Ort ist auch Ausgangspunkt für den Besuch von Kap Hoorn, welches von hier relativ leicht und sicher mit einem Boot zu erreichen ist. Für die hier operierenden Charterboote ist es natürlich ein Big Business. Der Törn (heißt hier dann Expedition) beginnt in Ushuaia und führt über Puerto Williams zum Kap. Wir treffen hier auch einige Fahrtenyachten, die die Möglichkeit nutzen auf diesem relativ sicheren Weg die Insel Kap Hoorn zu umrunden oder auch zu besuchen. Wir lassen dieses Touristenspektakel aus, denn die vor uns liegenden Chilenischen Kanäle erscheinen uns interessanter und bieten sicherlich viel mehr als nur ein Felsen im Meer. Wir machen im südlichsten Segelclub der Welt, Micalvi, fest. Unser Boot liegt als Fünftes im Päckchen. Nachdem ein 1930 gebautes, ehemaliges Rheinschiff der chilenischen Marine lange Dienst geleistet hat, wurde es hier, in einer geschützten Bucht, auf Grund gesetzt, um als Ponton für Yachten zu dienen. Im oberen Clubraum sind noch Teile von der Brücke der Micalvi erhalten (Steuerrad und Telegraf).
im Päckchen am alten Schiff
viele haben ihre Flaggen gespendet

und auch Geldscheine

der Clubraum wirkt gemütlich

die Brücke der alten Micalvi
Nach der Hektik im Ushuaia treffen wir in Puerto Williams auf paradiesische Ruhe. Nachdem alle Einklarierungs-Formaliäten erledigt sind (gegenüber Argentinien verdreifacht sich nochmal die Anzahl der auszufüllenden Formulare) atmen wir tief durch und sind erleichtert diese Hürde genommen zu haben. Den Besuch der Agrarbehörde haben wir auch gut überstanden. Wir legten ihnen die Quittungen vom hiesigen Supermarkt vor so das sie sehen konnten das wir alles in Puerto Williams im kleinen Supermarkt eingekauft haben und damit waren sie zufrieden. Puerto Williams hinterlässt auf uns einen sehr geordneten Eindruck. Das kleine vom Millitär geprägte Städtchen ist absolut frei von Kleinkriminalität. Die Autos sind nicht abgeschlossene und in den unbewachten Dinghys liegen Automatikwesten.
eine Herde wilder Pferde
bewegt sich in richtung Yachtclub

noch romantischer geht es nicht
Die meisten Einwohner gehören zum chilenischen Militär. Der größte Teil der Siedlung besteht aus sauber aufgereihten identischen Doppelhaushäfen. Geheizt wird mit Holz, was für einen herrlichen Duft auf der Straße sorgt.
das Millitär hinterlässt seine
Spuren im ganzen Ort

alte Bordgeschütze

modernes Kriegsschiff

alter Torpedo

falls man nach Tokio will
Millitärunterkünfte mit Seeblick








Die beiden Supermärkte im Ort sind besser, als die Einwohnerzahl vermuten lässt. Sie sind zwar klein, aber es gibt alles was man benötigt (sogar gute Schokolade). Am Sonnabend nach der Ankunft der Fähre aus Punta Arenas haben wir uns ordentlich mit frischen Obst und Gemüse eingedeckt. Das kleine Städtchen ist völlig autonom. Es gibt einen Kindergarten, eine Schule, ein Krankenhaus und sogar ein Museum. Als ob unser derzeitiges Revier an sich nicht schon spannend genug wäre, bauen kleine Herausforderungen wie das Bunkern des Proviants eine zusätzliche Spannungskurve auf. Wie viel Proviant müssen wir bunkern, wenn wir die nächsten drei Monaten nichts mehr kaufen können? Wie viel Obst und Gemüse können und müssen wir mitnehmen. Viele Fragen und wenig Antworten. Da wir als viertes Boot im Päckchen liegen (eine Yacht ist schon weggefahren), müssen wir mit den schweren Rucksäcken und Beuteln sieben mal über die Reeling hüpfen, bevor sie in unserem Cockpit landen. Inzwischen haben wir uns für die Weiterfahrt entschieden.

zum Abschluß noch ein dickes Steak und ein lecker Seehecht
  Am Montag den 22.01.18 ca. 12:00 wollen wir los. Der Pazifik ruft. Somit besteht unser nächstes Ziel darin, gegen Wind, Schnee und Eis durch die chilenischen Kanäle Richtung Norden zu schippern: Gletscher, patagonische Weite, Puerto Montt, Valdivia. Am Montag Vormittag muss ich noch einmal zur örtlichen Kommandantur denn für das Befahren der chilenischen Gewässer benötigt man ein sogenanntes Zarpe, eine Fahrtgenehmigung wo wir unsere Route genau angeben müssen. In den nächsten Wochen werden wir in einer Gegend segeln (motoren), in der es keine Infrastruktur jeglicher Art gibt – keine Menschen, kein Diesel, keine Ersatzteile kein Telefon, kein Internet und auch keine Steaks. Daher bleibt der Blog bald etwas leerer. Erst im April oder Mai werden wir wieder Bilder liefern können.